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Home > Spiele & Berichte (2008/2009) > Spielbericht |
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- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Fotos/Bericht: Jens Hüller / Ronald Ryschlewski Das 120. Thüringenderby... Samstag, 14.02.2008 – es stand wieder an –das Thüringenderby zwischen unserem FC Rot Weiß Erfurt und dem ungeliebten Rivalen aus der Ostthüringer Saalegemeinde. Nach tagelangen Schneefällen die besorgte Frage, ob es denn auch statt finden wird. Am Samstagmorgen aber ist alles Hoffen und Bangen vorbei. Um 09.00 Uhr setzt sich der Sonderbus der Werrataler Jungs in Breitungen in Bewegung, um nach Zwischenstopps in Eisenach, Gotha , Erfurt und Mellingen die zunehmende Anzahl von Mitgliedern des mittlererweile größten Fanclubs von RWE zum Thüringenderby zu bringen. Ein voller Bus, gute Laune und Sonnenschein bei herrlichem Winterwetter – dazu Spannung und Vorfreude auf das Derby. Im Bus wurde gesungen, gefrozzelt und die Chancen der eigenen Mannschaft diskutiert, dabei manches Bier geleert. Fanclubchef Sandro „ Mölinho „ Möller hielt dann noch einmal eine Ansprache, in der er von allen Mitfahrenden erwartete, das sie während des Spiels ein sportlich faires Verhalten an den Tag legen und Verein und Mannschaft unterstützen, jedoch alles unterlassen, was dem Verein schaden könnte. Während des Derbys in der Hinrunde war es ja zu den bekannten Ausschreitungen auf der Erfurter Tribüne gekommen mit antisemitischen Rufen gegen den Saaleverein, die zu einem Geisterspiel und einer hohen Geldstrafe für RWE geführt hatten. Unser Fanclub hatte damals Stellung bezogen und sich von diesem Verhalten sogenannter „RWE-Fans“ klar distanziert. Die Rivalität beider Vereine erbrachte natürlich im Vorfeld verschärfte Sicherheitsbestimmungen. So eskortierte uns ab Mellingen-nachdem man sich im „Burger King“ schnell noch gestärkt hatte und alle mit den „King“-Kronen den Anspruch auf die Nummer 1 untermauerten gegenüber anwesenden „Kanarienvögeln“ in blau/gelb/weiß - wieder einmal ein Streifenwagen wie 2005, letztlich fuhren wir dann im Konvoi mit den Bussen des Erfurter Fanprojektes in die Saalegemeinde – man dachte teilweise, da herrscht Ausnahmezustand bei dem Aufgebot an Polizei und den Vollsperrungen ganzer Straßenzüge. Warum man 10 RWE-Busse auf einer Hauptstraße anhalten und rund 500 Erfurter Fans direkt an einem Bahngleis aussteigen ließ, bleibt das Geheimnis der zuständigen Polizei. Nachdem sich dieser Pulk gesammelt hatte, ging es im Block mit lautstarken Sprechchören zu Fuß in das Abbe-Sportfeld – immer eskortiert von einer großen Anzahl Polizei –im Gegensatz zu sonstigen Erlebnissen mit dieser Spezies jedoch zwar bestimmt, aber immer recht nett und freundlich eigentlich. Im Stadion- nach der obligatorischen Leibesvisitation- erst einmal ein Schreck – was war das denn???????? Wer beim letzten Derby im Oktober 2005 dabei war, konnte sich entsinnen, dass Block O damals fest in der Hand von ca. 4000 Erfurtern war. Diese Kurve war nun genau in der Mitte geteilt mit einem monströsen Bauwerk – bei dem Anblick wurden Erinnerungen an 1989 und die Berliner Mauer wach. Noch seltsamer allerdings, das direkt neben den Gästen hinter dieser Mauer nun die Fankurve dieses Saalevereins stand. Neben jetzt 1350 Erfurtern – mehr durften nach DFB-Auflagen nicht mit. Die Tribüne gästewärts um einen Block gesperrt, damit es überhaupt nach etwas aussah hatte man eine überdimensionale Blockfahne in sehr unthüringischen Farben ausgebreitet. Und die Gegenkurve – eine provisorische Tribüne vom letzten DFB-Pokalspiel – war trotz Fangnetze in den untersten 15 Reihen komplett gesperrt. Insgesamt ein sehr gestückelter Anblick – so richtig Derbyatmosphäre kam da nicht auf. Man konnte sich durchaus dem Gesang der Erfurter Ultras „ Reisst das Sportfeld ab „ anschliessen, wenn man das gesehen hat. Es flogen dann erstmal Schneebälle, Bratwürste, Brötchen und sonstiges zwischen den beiden Fanlagern über die Mauer hin und zurück, untermalt von meist sehr primitiven Gesängen beider Lager. Die Arroganz und Selbstdarstellung des sogenannten Stadionsprechers tat ihr übriges dazu – fern sportlicher Realitäten beschwor er einen Mythos des Saalevereins, der wohl irgend etwas mit Nummer 1 im Land Thüringen beweisen sollte. Fakt ist, das es heute niemanden mehr interessiert, ob und wann unsere Großväter und Urgroßväter welches Derby gewannen und ob der Saaleverein die ewige Bestenliste der Oberliga eines untergegangenen und nicht mehr existierenden Staates anführt. Dafür gibt es anno 2009 keine Punkte – in der Tabelle steht RWE klar vor dem Rivalen. Das bedarf wohl keines weiteren Kommentares. Fußball wurde auch noch gespielt – wir alle hatten die Erwartung, dass die Mannschaft sich nicht so widerstandslos wie im Oktober 2005 abschlachten lässt. Ein bisschen Unbehagen herrschte aber doch in den Erfurter Reihen – wird die Mannschaft den plötzlichen Abgang von Torjäger Albert Bunjaku zum 1.FC Nürnberg verkraften und wie führt sich sein Nachfolger Chuhnly Pagenburg ein – der vom 1.FC Nürnberg kam??? Wie steht die Mannschaft derzeit da, nachdem beide Rivalen das letzte Wochenende mit Spielabsagen zu tun hatten und ausgerechnet im Derby in das erste Punktspiel nach der Winterpause gehen??? Um es kurz zu machen – die ersten 45 Minuten waren einfach nur ein Kampf und Krampf beider Teams, von Spielkultur hüben und drüben nichts zu sehen, Erfurt mit vielleicht einer halben Torchance, der Rivale mit gar nichts. RWE stand defensiv sehr gut, fing die Zeisser früh ab, war aber nicht in der Lage, aus Ballbesitz präzise nach vorn zu spielen. Der Gegner im Niveau noch darunter- Angriffe endeten häufig im Abseits oder bei der aufmerksamen Erfurter Deckung. Man hatte eigentlich nicht das Gefühl, das RWE heute das Derby verlieren könnte. Dafür wurde in Zweikämpfen ab und zu mal richtig rustikal von beiden Seiten hingelangt – der sehr gute Schiedsrichter ging jedoch konsequent dazwischen mit gelben Karten und unterband so jede aufkommende Härte, ließ sich offensichtlich auch nicht von der Kulisse beeindrucken. Sehr zum Unmut der Einheimischen, denen wohl jede Zeiss-Präzision in der Optik abhanden gekommen war und die anscheinend in einigen Situationen ein anderes Spiel sahen. Mit Beginn der zweiten Halbzeit übernahm RWE sogar das Kommando, erspielte sich nun ab und zu so etwas wie Torchancen, dem Gegner fiel weiterhin nicht sehr viel ein –gelegentlich gab es nun sogar Unmutspfiffe und Raunen bei den Einheimischen –wegen der Spielweise der eigenen Mannschaft und bei Kontern des RWE. In der 58. Minute jubelte dann das RWE- Fußballherz grenzenlos und glücklich – wieder nach einem diesmal sehr präzisen Konter tauchte Pagenburg vor Nulle auf, der den Schuss des RWE-Stürmers nur abklatschen konnte, der nachsetzende Massimo Cannizzaro schob aus 8 Metern den Ball ins leere Tor zum 1:0 für RWE. Totenstille bei 12.000 Eingeborenen – dafür umso lauter die Sprechchöre des RWE – Anhangs. In der Höhle des Löwen die Führung- jetzt war laut und deutlich vom RWE-Anhang zu hören, wer sportlich die Nummer 1 in Thüringen ist. Nach der Führung spielte RWE relativ sicher und routiniert sein Pensum herunter, ließ dem Gegner bis auf 2- 3 Situationen keine Gelegenheit, gefährlich in die Nähe des RWE- Tores zu kommen. Bei diesen 2- 3 Situationen konnte einem jedoch schon mal das Herz stocken- weil inkonsequent und lasch in der Abwehr gehandelt wurde oder Torhüter Orlishausen auch mal an der einen oder anderen Flanke vorbei segelte in seinem Strafraum. Noch 3 Minuten waren zu spielen, der ganze RWE-Block fieberte dem ersten Derbysieg in der Höhle des Löwen seit etlichen Jahren entgegen –die Mannschaft hatte das Spiel im Griff, der Gegner war sportlich tot und angeknockt. Dann überschlagen sich die Ereignisse. Plötzlich geht eine Blockfahne der sogenannten Erfurter Ultras hoch oder derer, die Ultras sein wollen. Sekunden später Bengalo-Feuer und eine üble Rauchfahne, die sofort im unmittelbaren Umfeld alles einnebelte – Irritation bei den übrigen RWE-Fans – was soll das jetzt kurz vor dem Sieg???? Der Stadionsprecher mit Durchsagen an den RWE – Block, was diese geistigen Klappspaten dazu veranlasst, nun erst recht ca. 10- 15 Knaller auf die Laufbahn in Richtung Feuerwehrleute und Ordner zu werfen und die wiederholten Durchsagen des Stadionsprechers erst recht zu ignorieren. Der Capo der Ultra-Fraktion steht auf dem Zaun und grinst dümmlich dabei, mit seinem Megaphon hätte er das ganze Theater unterbinden können. Dann bleibt vielen RWE-Fans das Herz fast stehen- der Schiedsrichter bricht ab, die Einheimischen rennen komplett in die Kabine – anscheinend gehen sie von einem Spielabbruch aus. Orlishausen zuerst, dann die ganze Mannschaft mitsamt Manager Stefan Beutel und Präsident Rolf Rombach stürmt in die RWE-Kurve und versucht, diese ewig Unbelehrbaren in den Griff zu bekommen und für Ruhe im RWE-Block zu sorgen. Man muss dazu sagen, dass sich die Einheimischen hier nun erst gar nicht provozieren ließen, sich der RWE-Anhang in diesem Moment sogar zu recht von 12.000 Eingeborenen als „ Schweine-RWE“ besingen lassen musste – und dass seitens des einheimischen Anhanges jegliche unbeherrschte Aktionen unterblieben. Zu verdanken einer kleinen Gruppe angeblicher „ Ultras „ – die Frage steht im Raum, ob diese eigentlich geistig verinnerlicht haben, was überhaupt ein Ultra ist – ein Ultra schadet niemals seinem eigenen Verein und seiner eigenen Mannschaft!!!! Es dauerte insgesamt wohl an die 7-10 Minuten, bis beide Teams wieder auf dem Platz standen und Fußball gespielt wurde. Anscheinend angestachelt von den Vorfällen versuchten es die Gastgeber noch einmal mit wütenden, in der Substanz harmlosen Angriffen, das Blatt noch zu wenden. Aus einem im Mittelfeld abgefangenen Ball setzte RWE sogar noch einen tollen Konter, Cannizzaro geht allein auf Nulle zu – und schoss den Torwart an, anstatt konzentriert den Erfolg zu suchen und mit dem vorentscheidenden 2:0 den Sack für RWE zu zumachen. Fast im Gegenzug ein letzter verzweifelter Angriff der Einheimischen – vorbei an Freund und Feind segelt wieder der Ball durch den Strafraum, Orlishausen will erst raus, bleibt mit geöffneten Beinen stehen und der wohl mehr glücklich dort stehende Mayombo bekommt irgendwie die Fußspitze dran, der Ball kullert Orlishausen durch die Füße zum 1:1 ins Netz – lähmendes Entsetzen beim RWE-Anhang, 12.000 Einheimische feiern und toben, als wenn sie gerade das Derby gewonnen hätten. Dann ist auch schon Schluß. Die Zeisser rennen in ihre Kurve, der ehemalige RWE-Spieler Ziegner klatscht dankend dem RWE-Anhang zu – man kann sich darüber streiten, ob bei normalem Spielverlauf noch das 1:1 gefallen wäre. Fakt ist aber, das einige Idioten dem Verein und der Mannschaft einen Bärendienst erwiesen haben – da der Verein wegen der Feuerwerkerei in einigen Spielen der letzten Saison bereits mehrfach im Visier des DFB stand und nach den Vorfällen der Hinrunde schon mit jenem Geisterspiel belegt wurde, dürfte es auch diesmal ein hartes Nachspiel seitens des DFB für unseren RWE geben. Und unbestritten war bei der übergroßen Masse der anwesenden RWE-Fans die Wut, das Unverständnis und die Meinung vorhanden, das diese Aktion der Mannschaft den fast sicheren Sieg gekostet hat. Als dann noch die Spielstände der anderen Partien bekannt wurden, waren alle restlos bedient- alle Rivalen hatten verloren, wir hatten die Partie im Griff und verschenken 2 wichtige Punkte, die den Verein näher an die sportliche Zielsetzung gebracht hätten – oben mit anzugreifen und um den Aufstieg in die 2.Bundesliga mitzuspielen. Und dem ewigen Rivalen klar seine derzeitigen Grenzen aufzuzeigen – mit 2 gewonnenen Derbys in einer Saison das Gerede von deren Seite über eine Nummer 1 in Thüringen zu beenden. Niemand hatte auch nur einen Funken Verständnis für diese Aktionen des „Ultra“-Kindergartens, viele Fans wetterten dagegen und sprachen davon, diesen Leuten Stadionverbot für die Zukunft zu erteilen. Nachdem alle wieder im Bus waren, ging es an die Heimfahrt, bei der die meisten noch einiges diskutierten zu den Vorfällen und kein Verständnis dafür hatten, was sich da abgespielt hatte. So richtig freuen konnte sich keiner über das Unentschieden, weil die Mannschaft eigentlich schon der sichere Sieger war und die Unbeherrschtheit einer kleinen Gruppe der Mannschaft wahrscheinlich den Sieg gekostet haben – auch wenn in der konkreten Situation Torwart Orlishausen und seine Vorderleute kräftig mithalfen. Letztlich einigten wir uns dann im Fanclub doch auf die Meinung, das 4 Punkte in einer Saison gegen den Erzrivalen keine schlechte Ausbeute sind. Und genehmigten uns hier und da noch ein Bierchen.
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