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Die Krönung des englischen Meisters live
erlebt...

FC Liverpool - FC Chelsea 0:2
Meine Freude war riesengroß, als ich
Mitte März erfuhr, ein Fußballspiel des FC Liverpool an der Anfield Road
erleben zu dürfen, noch dazu gegen keinen geringeren als den FC Chelsea
London. Sicher fragt ihr euch, wie ich an Karten für dieses Spiel
gekommen bin und wie das alles ablief. Hier meine Erlebnisse:
Nun, in Deutschland gibt es einen
Liverpool FC-Fanclub, die „German-Reds“ (www.german-reds.de),
mit zwei Mitgliedern u.a. auch in Bairoda und Steinbach. Der Zufall half
natürlich ein wenig mit, ich bin mit Matthias (alias „Bone“) aus
Steinbach und dann auch Andreas (alias „Liverpaul“ bzw. „Paul“) ins
Gespräch gekommen. Schnell war klar, dass wir auf einer Wellenlänge
liegen und zusammen nach Liverpool fahren werden. Vierter im Bund war
Uwe, den einige von euch noch vom ersten Freizeitturnier in Steinbach
kennen werden, wo er unsere Freizeitmannschaft verstärkte.
Paul aus Bairoda war schon öfters in Liverpool, kannte sich
dementsprechend gut aus und hielt auch die Fäden mit der Organisation in
der Hand. Die Tickets (45,00 €) wurden geordert, dies war der
schwierigste Teil der Vorbereitungen, denn es gibt nur ein bestimmtes
Kontingent, hinzu kam, dass es das letzte Heimspiel der Saison war und
der Gegner Chelsea hieß. Glücklicherweise ergatterte Paul Tickets für „The
Kop“, die berühmte Fantribüne hinter dem Tor, wo kurz vorm Spiel das
berühmte „You`ll Never Walk Alone“ zelebriert wird. Schon der Gedanke
daran – Gänsehaut pur...! Das Flugticket mit Ryanair kostete pro Person
ebenfalls 45,00 € (für Hin- u. Rückflug!!!) und los ging’s am
Freitagabend, den 30.04.2010 nach dem „Alte Herren“ Kick meiner drei
Mitstreiter.
Gegen Mitternacht kamen wir in Bremen
an und übernachteten bei Thomas, einem weiteren German Red, der so
freundlich war, uns bei sich übernachten zu lassen denn unser Flug nach
Liverpool sollte schon Samstagvormittag kurz vor 8 Uhr starten. In
Liverpool angekommen, fuhren wir für umgerechnet ca. 2,20 € mit dem Bus
in die City und frühstückten erst einmal. Das englische Frühstück ist
gewöhnungsbedürftig, sicherheitshalber haben wir dazu die ersten Pint’s
(Halbe Liter) Carling getrunken. Dann fuhren wir mit dem Bus die ca. 7
km raus an die Anfield Road wo sich in unmittelbarer Stadionnähe auch
unser Hostel befand. An der Anfield Road natürlich die ersten Fotos vor
„The Kop“, dem „Bill Shankly Memorial“, dem „Hillsborough Memorial“ und
natürlich vor „The Shankly Gates“ mit dem berühmten Schriftzug „You’ll
Never Walk Alone“ - ein irres Gefühl, vor diesem historischen Ground zu
stehen und zu wissen, morgen dort ein Spiel des L.F.C. zu sehen. Am
Stadion trafen wir noch Jan, ein German-Red aus Zeulenroda (jetzt
Feldkirch in Österreich), der im gleichen Hostel wie wir, dem Football
Lodgings in der Tancred Road 2, wohnte (55,00 € pro Person für drei
Nächte mit Frühstück). Paul und Bone kannten Jan schon von ihrem letzten
gemeinsamen Liverpool-Trip im Herbst 2009 gegen Hull City (6:1).
Nachdem wir unser Gepäck verstaut
hatten, ging es die 300 m zurück zum Stadion, um zusammen mit Jan wieder
in die City zu fahren. Erstes Sightseeing an den Albert Docks mit
Beatles-Museum, River Mersey, Innenstadt und L.F.C Fan-Store. Paul gab
sich große Mühe uns Neulingen die schönsten Seiten von Liverpool zu
zeigen, nicht nur dafür gebührt ihm ein großes Dankeschön. Wie mir Paul
erklärte wurde die Innenstadt in den letzten Jahren tüchtig aufpoliert,
vieles modernisiert und neu gebaut, auch weil Liverpool 2008 Europäische
Kulturhauptstadt war. Bei schönstem Wetter bummelten wir also den ganzen
Nachmittag durch die City und sammelten viele wunderbare Eindrücke.
Wieder an der Anfield Road angekommen statteten wir dem „The Albert“,
einer reinen Fußballkneipe direkt am Stadion, noch einen Besuch ab, ehe
wir mit Marschverpflegung in Form einer Palette „Carlsberg“ dann wieder
zurück ins Hostel gingen. Abends lockte natürlich das Nachtleben in den
Clubs, Pubs und Bars und wir fuhren mit dem Bus wieder in die City.
Unser erster Anlaufpunkt war das legendäre „The Cavern“, wo sich einst
die Beatles gründeten und ihre ersten Auftritte hatten. Beim Betreten
dieses Clubs fühlt man sich sofort in die 60er Jahre zurückversetzt und
kann dieses Feeling förmlich spüren. Danach ließen wir gegenüber in „Lennon’s
Bar“ den schrill, bunten Abend (Leute, hier laufen die Frauen rum...)
ausklingen, fuhren dann mit einem Taxi zurück ins Hostel.
The Day of the match!!! Gut
ausgeschlafen und ging es am Spieltag vorbei am Stadion in’s „The Sandon“,
dem Gründungsort des FC Liverpool. Dieser urige Pub unweit des Stadions
war schon proppevoll mit L.F.C. Anhängern so dass wir dann zwei Häuser
weiter in’s „Sam Dodd’s“ gingen, der Anlaufstelle schlechthin für alle
German Reds, die wieder aus allen Ecken von Deutschland angereist waren.
Paul und Bone trafen alte Bekannte, es wurde Hallo gesagt und sich aufs
Match eingestimmt. Die
Anstoßzeit rückte immer näher, mein Puls stieg und endlich machten wir
uns auf den Weg ins Stadion. Nach der Kartenkontrolle mussten wir uns
durch die engen Zugänge zwängen, die Drehkreuze passieren und waren ganz
unspektakulär, ohne Leibesvisitationen, im Stadioninneren. Dann die
Treppen hoch zum „The Kop“ und der erste Blick aufs Spielfeld. Dann die
Treppen runter zum Spielfeldrand und die ersten Fotos gemacht. Es ist
schon was anderes als bei uns in Erfurt, hier 2 m entfernt vom
Spielfeldrand zu stehen und den Spielern beim warm machen zuzuschauen,
Fußballfeeling pur. Da waren sie also „The Reds“ - die Reina, Gerrard,
Aquilani, Rodriguez, Kuyt, Babel, Mascherano und Carragher und auf der
anderen Seite, „The Blues“ - die Cech, Cole, Terry, Lampard, Drogba,
Ballack, Malouda und Anelka... Schade nur, dass Fernando Torres, der
bisher in 79 Premier-League-Spielen sagenhafte 56 Tore für Liverpool
schoss, verletzungsbedingt fehlte. Ein unbeschreibliches Gefühl der
Vorfreude auf das was da kommen mag beschlich mich. Zurück auf unseren
Plätzen ging es auch schon los mit „You’ll Never Walk Alone“ – der
Fußballhymne jedes Fußballstadions, die hier ihren Ursprung hat. Man
stelle sich das wirklich mal vor, wenn 20.000 Leute voller Inbrunst aus
voller Kehle diese Hymne schmettern und die Schals hochhalten. Ich bekam
eine Gänsehaut, dass ich dachte mir wachsen Federn...
Trotz des frühen Rückstands, als
Drogba in einen Rückpass von Gerrard sprintete und Reina umspielte war
die Stimmung und die Unterstützung der Reds durch die Fans ungebrochen.
Die Mannschaft wurde lautstark durch Gesänge angefeuert. Knaller,
Pyrotechnik, Wurfgeschosse, pubertierende Zaunhüpfer, Schmährufe gegen
den Gegner oder Pfiffe – alles Fehlanzeige. Auch wird hier der Gegner
mit Respekt bedacht, ehemalige Spieler oder sogar gute Aktionen des
Gegners mit Applaus gewürdigt. Kurios an der Anfield Road ist auch, dass
sich beide Trainerbänke direkt nebeneinander befinden und es nur eine
Coaching-Zone gibt, die sich die Trainer, in diesem Falle Rafael Benitez
(Liverpool) und Carlo Ancelotti (Chelsea) teilen müssen.
In der 2. Halbzeit fiel dann noch das 0:2 durch Frank Lampard, damit war
der Drops gelutscht und Chelsea quasi einen Spieltag vor Ende der Saison
Meister. Nach dem Spiel verabschiedeten sich die Liverpooler Spieler von
den Fans in dem sie eine Stadionrunde liefen mit ihren Kindern an der
Hand. Hier waren dann auch die verletzten Torres und Johnson dabei.
Nach dem Spiel gingen wir ins „The
Twelfth Man“, schauten das Spiel von Manchester und trafen Graham und
Rob, zwei Liverpooler, die Mittelsmänner zwischen dem L.F.C. und dem
deutschen Fanclub der „Reds“ sind. Völlig verblüfft war ich als Rob mir
seine Brieftasche zeigte und er neben seiner L.F.C. Member-Card einen
Aufnäher des FC Rot-Weiss Erfurt stecken hatte. Also Sachen gibt’s,
dachte ich mir und trank mit Rob ein Pint Carlsberg drauf... Den Abend
ließen wir im „Olympia“, einem vor ca. 100 Jahren als Zirkus gebauten
Kuppelsaal, ausklingen, der mit vielen Bannern und Fahnen des L.F.C.
geschmückt war. Es spielten mehrere Livebands unter dem Motto „SOS –
Spirit of Shankly“ zu Ehren der 96 Fans, die am 15.04.1989 beim
FA-Cup-Halbfinale in Sheffield ums Leben kamen.
Höhepunkt des heutigen Montages
sollte eine Stadiontour mit anschließendem Museumsbesuch an der Anfield
Road sein. Mittags um 12:30 Uhr fanden wir uns am Stadion ein, lösten
die Tickets (15,00 €) und betraten die heiligen Hallen... Spielerkabine,
Pressekonferenzraum, Innenraum des Stadions und natürlich der
Spielertunnel mit dem legendären Schild „This Is Anfield“ – alles wurde
erklärt und überall hin wurden wir geführt, nur Bone wurde energisch
zurückgepfiffen als er über ein Absperrband steigen wollte um mal den
Rasen zu betreten... Im Museum konnten viele Trophäen bestaunt werden,
ebenso Trikots, Spielerporträts, und Reliquien vergangener Zeiten, auch
liefen Kurzfilme über die Höhepunkte der Vereinsgeschichte. Einen
besondern Stellenwert hatte das Champions-League Finale 2005 in Istanbul
gegen den AC Mailand als nach einem 0:3 Pausenrückstand innerhalb von 6
Minuten drei Tore zum 3:3 Ausgleich gelangen und dann das
Elfmeterschiessen gewonnen wurde. Übrigens, wem es 15,00 € wert war, der
konnte sich auch mit dem Champions-League-Cup fotografieren lassen....
Nach der Stadiontour verabschiedeten wir uns von Jan, der sich aufmachte
um seinen Flieger nach München zu bekommen. Jan ist ein supernetter Typ
mit dem wir viel Spaß hatten. Ich hoffe, wir sehen uns bald mal wieder
hier in Liverpool!
Nachmittags schlenderten wir dann
noch einmal an den Albert Docks, kauften Souvenirs und Fanartikel. Bone
und ich ließen es uns nicht nehmen, ne Fahrt in dem neuen Riesenrad zu
machen, die Superaussicht auf die Skyline von Liverpool war es allemal
wert. Unseren letzten Abend verbrachten wir dann in der Nähe der Docks
im „Baltic Fleet“, zurück ins Hostel fuhren wir dann wieder per Taxi.
Bevor am heutigen Dienstag um 16 Uhr
unser Flieger zurück nach Bremen ging und die wunderschöne Zeit hier zu
Ende geht, beschlossen wir noch durch den Stanlay Park zum Stadion des
Stadtrivalen FC Everton, dem „Goodison Park“ zu laufen. Das coole ist,
dass beide Stadien, die „Anfield Road“ und der „Goodison Park“ nur ca. 1
km Luftlinie voneinander entfernt liegen, nur durch den landschaftlich
wunderschönen Stanlay Park getrennt. Paul und Bone fanden das eigentlich
nicht so toll, das Wohnzimmer der „Blauen“ anzuschauen aber Uwe und ich
waren total interessiert, wenn wir schon mal hier sind, auch diesen
Ground zu inspizieren. Also, ne Runde um’s Stadion gedreht und dann
wieder zurück. Irgendwie, kurz bevor wir wieder in den Stanlay Park
gingen, bekam ich ne Blitzidee, es doch mal zu versuchen um an irgend
einer Ecke vielleicht mal nen Blick in den Innenraum des Stadions werfen
zu können. Und wie es der Zufall so will, stand an einer Ecke eine große
Stahltür offen durch die ich in den Innenraum gelangte und ein paar
Fotos schießen konnte.
Am frühen Nachmittag machten wir uns dann auf Richtung „John Lennon
Airport“, wo um 16 Uhr unser Flieger zurück nach Bremen ging. Von Bremen
dann das letzte Stück mit dem Auto und gegen 23:30 Uhr waren wir wieder
daheim.
Vier wunderschöne Tage gingen vorüber
in denen wir sehr viele schöne Eindrücke sammeln konnten, fast schon zu
viele für diese kurze Zeit! Ich will mich an dieser Stelle noch einmal
bei allen bedanken, die dabei gewesen sind, vor allem bei Paul für sein
rühriges Organisationstalent und bei Bone, durch den ich eigentlich erst
mitfahren konnte. Auf ein Neues, irgendwann mal wieder.
You’ll Never Walk Alone!
Frank Malsch (Mai 2010)








































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