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Home > Spiele & Berichte (2004/2005) > Spielbericht |
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Sonntag, 24. April 2005, 8 Uhr MESZ - was machen die meisten Deutschen da? Richtig - sie schlafen oder denken darüber nach, ob sie schon aufstehen sollten. Nun ja, wie kommt es dann, dass vier Fanatiker um diese Uhrzeit in Breitungen an der Strasse stehen und sich in rot-weiße Fankleidung hüllen? Richtig - weil sie Fans des FC Rot-Weiß Erfurt sind und wieder einmal in dieser Saison auf Deutschlands Straßen touren - ihrem geliebten Verein hinterherfahren - egal wie weit es ist. Auf dem Programm diesmal: Burghausen. Erste Frage: Wo ist denn das? Antwort: An der Salzach, deutsch-österreichische Grenze, sagen wir mal so 40 km vor Salzburg. Zweite Frage: Und was wollen wir da? Antwort: Unseren RWE supporten. Nach dem Nackenschlag gegen Energie Cottbus im letzten Heimspiel - eine erkämpfte 3:2-Führung wurde noch verspielt - und den denkbar ungünstigen Voraussetzungen vor diesem Spiel schlich wieder einmal das Abstiegsgespenst durch den Erfurter Steigerwald. Zum einen war da die Nachricht vom positiven Dopingbefund von Senad Tiganj, dann die bereits erwähnten, durch ein Eigentor verschenkten Punkte gegen Cottbus, und zudem war noch die komplette Offensivabteilung abwesend (Tiganj, Koumantarakis und Dworrak verletzt mit Muskelfaserrissen). Fall war zudem gelbgesperrt, dem Verein fehlt wieder einmal Geld in Größenordnungen und in den letzten Auswärtsspielen setzte es eine Klatsche nach der anderen - begleitet vom RWE-Syndrom, will heißen, sie überstehen meistens die ersten 30 Minuten nicht ohne Gegentor. Und in schöner Regelmäßigkeit spielten mal wieder alle gegen den RWE. Also wieder einmal beste Voraussetzungen, sich bei RWE richtig den Sonntag zu versauen. Nichtsdestotrotz setzten sich Christopher, Sandro und Pauli bei Ronald in den VW Passat (der Bus wäre wohl heute eine Nummer zu groß gewesen), um gen Burghausen aufzubrechen - eben zu genau dieser Uhrzeit, wo andere noch schlafen. Schön, dass es noch solche "Bekloppte" gibt, die trotzdem dem RWE beistehen. Gut 500 km ging es nun in flotter Fahrt, zuerst durch das benachbarte Unterfranken, an Nürnberg vorbei. Erste Rast bei "MC Donalds" irgendwo hinter Nürnberg - Frühstück nachholen oder besser gleich mit Mittag verbinden. Weiter am Rande des Bayerischen Waldes bei aufkommenden Sonnenschein und angenehmen Temperaturen Richtung Regensburg und Straubing. An einer Raststätte Nähe Straubing die Frage von ein paar älteren MeckPomms: "Seid ihr Fans von Rot-Weiß Erfurt?" - "Jo klar" - "Ja, wir haben da fünf Busse überholt aus Erfurt" (freu - 20 hätten die Sponsoren bezahlt) "und da stiegen welche aus, die sofort überall hinmachten und Flaschen rumwarfen und schon ziemlich angetrunken waren" (na toll, haben sie in Erfurt wieder den Hoolkindergarten aufgeladen). Also etwas schweigend erst einmal weiter - Straubing runter von der Autobahn und nun immer noch 100 km auf der B20 gen Burghausen. Kurz vor Burghausen fiel unserem "Bierer" Christopher ein, dass es im nebenan gelegenen Marktl eine Brauerei gibt, die gut sein soll. Also noch kurzen Umweg gefahren nach Marktl - und dann fiel uns ja noch ein, dass der neue Papst Kardinal Ratzinger dort her ist. Ob's hilft für uns, mal im Papst-Ort gewesen zu sein? Egal - als Rot-Weißer klammerst du dich derzeit an alles. Gewöhnungsbedürftig war nur die einheimische Mundart - und geschäftstüchtig sind sie. Die Frau vom Imbiss neben der Tankstelle: "jo kommts rein für a brotzeit". Nee nee. Dann endlich in Burghausen - nette Stadt, sah sauber und friedlich aus, auch der Wacker-Sportpark machte uns neugierig. Friedliches Grüßen der Einheimischen - hier ist die Welt noch in Ordnung. Und dann das Erlebnis Wacker-Sportpark Burghausen - oder: wie ein Verein versucht, aus einem Dorfsportplatz ein Fußballstadion zu machen. Eine Haupttribüne vom Feinsten - da kannst du selbst in Erfurt neidisch werden - sogar verglaste VIP-Logen, Stehplätze überdacht zum größten Teil - nur für Einheimische. Gästeblock - oder sollte man sagen "Gästestandplatz"? Zwei aufgebaute Stahlrohrtribünen - so was hatten wir noch nicht erlebt in der zweiten Bundesliga. Aber egal - wenn die Dynamos hier waren und die Dinger standen noch, werden sie auch Erfurt überleben. Nach einer Weile kamen dann auch die Erfurter Busse und so füllten sich die Stahlrohrtribünen mit etwa 400 Erfurter Anhängern, die den weiten Weg nach Burghausen gemacht hatten. Leider einige auch schon ziemlich abwesend, weil der Füllpegel wohl überschritten war. Anpfiff zu dem wieder einmal für RWE alles entscheidenden Spiel. Wir hielten unsere Uhren in der Hand, um zu sehen, wie lange sie ohne Gegentor überstehen. Zumal die Besetzung nun wirklich nicht für Fußball vom Feinsten sprach - eher für Hausmannskost. Die Gastgeber versuchten auch sofort mit Spielbeginn, Druck zu machen und man war bei den ersten Szenen bereits in ahnungsvoller Erinnerung an die grausamen Spiele in Aachen und Duisburg. Sportfreund Richter war der erste mit Schlafwageneinlage - Reisinger fand zum Glück in Twardzik seinen Meister (15.). Nachspiel der Szene: Kresin - auch nicht immer der Beste - machte erst mal Sportfreund Richter klar, dass das Spiel bereits begonnen hat - und das recht lautstark. Weiter ging es mit Angriffen der Burghausener - aber so langsam ging auch die erste "berüchtigte " halbe Stunde vorbei, ohne dass weitere ernsthafte Torgefahr seitens der Burghausener entstand. Sie machten zwar Druck, aber der Spielaufbau war oft wenig präzise. Unsere Rot-Weißen kamen über den Kampf immer besser hinein, wenn auch nach vorn so gut wie nichts losging. 37.Minute - zum ersten Mal helle Aufregung im Gästeblock. Nach Freistoss von Kreuz köpft "Fußballgott" Hebestreit recht wuchtig Richtung Tor - aber auch unplatziert in die Mitte - Gospodarek hält. Bis zur Halbzeit passierte dann nicht mehr viel. Langsam wurde einem klar, warum die Burghausener zu hause schwach sind - sie spielen zwar, jedoch sehr unpräzise und haben echte Mühe, einen kompakten Gegner zu bespielen. Zweite Halbzeit: Das Niveau wurde nicht besser. Burghausen wollte zwar, konnte aber nicht. Erfurt wollte, konnte aber auch nicht. So entwickelte sich zwischen den Strafräumen ein Kampfspiel mit vielen Fehlpässen und ohne Ideen im Spielaufbau. Folge: vier gelbe Karten gegen Schmidt von Burghausen und gegen die Erfurter David, Keller und Kresin. Die Erfurter Hintermannschaft riegelte nun relativ souverän ab - und wenn was daneben ging, gab es immer noch Rene Twardzik. Noch zweimal entnervte er den Burghausener Reisinger mit tollen Paraden. Oder Stefan Keller räumte recht resolut hinten auf. Dann die 69. Minute - wieder ein Angriff der Gastgeber abgefangen - Keller räumt auf, spielt überlegt in Richtung Mittelkreis zu Onwuzuruike. Und "Sir Henry" schnappt sich den Ball, marschiert schnellstens Richtung Burghausener Tor - allein gegen drei - helle Aufregung im Gästeblock - Onwuzuruike schaut kurz, legt nach rechts an der Strafraumgrenze ab, Pavel David kommt dort angeschossen, geht allein aufs Tor und schiebt Gospodarek den Ball - Torhüterhöchststrafe - durch die Beine zum 1:0 für die Rot-Weißen. Grenzenloser Jubel im rot-weißen Fanlager - im benachbarten Freibadbecken schauten sie erschrocken Richtung Stadionzaun - die Stahlrohrtribüne bebt, stürzt aber nicht ein. Scheiße - mir läuft von irgendjemand Bier und Kaffee über die Klamotten - aber sie führen 1:0. Die Gastgeber totenstill. Burghausen versucht weiter anzugreifen - sie scheitern immer wieder an ihren schlechten Abspielen vor dem Tor, an der resoluten Art von Keller und an Twardzik. Trotzdem einiges Herzflattern bei uns, als Weitschüsse aufs Erfurter Tor kommen und Reisinger wieder vor Twardzik steht oder Younga-Mohani das leere Erfurter Tor nicht trifft und drüber ballert. Wieder einmal ein Erfurter Angriff, etwa acht Minuten später. Ein unpräziser langer Ball der Rot-Weißen, eigentlich ist die Situation geklärt, Hebestreit läuft ins Leere. Aber wir lieben ja Vukovic - und er offensichtlich uns. Ohne Not will er mit dem Kopf zu Gospodarek zurückköpfen, das Ganze zu kurz, der schon ins Leere gelaufene Hebestreit spritzt entschlossen dazwischen und zirkelt gekonnt den Ball an Gospodarek vorbei Richtung leeres Tor - und der Ball rollt und rollt und rollt.... 400 Erfurter brüllen wie verrückt, dass der reingeht - und endlich am langen Pfosten rollt der Ball gegen den Innenpfosten und ins Tor hinein.... Zum zweitenmal bebt die Stahlrohrtribüne von 400 RWE-Fans, die sich kaum noch fassen können. Danach ist Burghausen mit seinem Latein am Ende - Erfurt hat aus dem Nichts drei Punkte geholt, der "Fußballgott" hat wieder ein Tor geschossen, wir erleben das Hochgefühl eines Auswärtssieges. 400 RWE-Fans feiern - und ich denke an den Papst und Marktl. War da doch was? Nach dem Spiel ziehen wir zufrieden zum Auto und machen noch eine Spritztour ins benachbarte Österreich - zum Tanken. Wieder in Burghausen genießen wir den historischen Markt, die malerische Aussicht auf die Burganlage - und bayerische Gastfreundschaft im Hotel "Zur Post", gemeinsam mit den dort sitzenden Erfurtern von Block D, Sitzreihe 7 .... bei ein paar Hefeweizen und Kaffe bei mir. Frohen Mutes und mit viel Fußballphilosophie geht es auf den Heimweg - standesgemäß irgendwo noch Burger King - und bei nun strömendem Regen erreichen wir morgens gegen 1 Uhr wieder die Heimat. Mit der Hoffnung, dass dieser Sieg Mut macht für das nächste Spiel gegen Eintracht Frankfurt daheim. Hoffentlich heißt es danach nicht wirklich: "Erbarme, die Hesse komme ...." Ronald
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