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Home > Spiele & Berichte (2004/2005) > Spielbericht |
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Zwei Tage nach der DFB-Sportgerichts-Entscheidung gegen Rot-Weiß und dem grandiosen Thüringenpokal-Erfolg der Amateure in Gera stand für die Mannschaft von Jan Kocian ein wahres Endspiel an. Gegen den Karlsruher SC musste an diesem Freitagabend unbedingt ein Sieg geholt werden - DFB-Entscheidung hin oder her. Und der Karlsruher Wildpark war den meisten noch in guter Erinnerung. Mit 3:0 feierten die Erfurter anno 2001 einen völlig
überraschenden Auswärtssieg beim Tabellenführer und träumten nach
dem Spiel sogar vom Griff nach den Sternen - nämlich vom Aufstieg in Liga zwei. Was am Ende der Saison 2000/2001 für den RWE
jedoch zu
Buche stand, war genau das Gegenteil. Nach der Heimniederlage
am letzten Spieltag gegen den VfR Mannheim hatte der FC Rot-Weiß
den Klassenerhalt verfehlt und war sportlich in die Oberliga
abgestiegen. Wenn da nicht der SSV Ulm gewesen wäre ... An den SSV Ulm dachte heute erst mal keiner mehr. Vielmehr
schwelgte man in Erinnerungen an den 3:0-Erfolg im Karlsruher Wildpark
vor knapp vier Jahren. Und man war sich einig: So ein Auswärtssieg würde
dem RWE heute wieder neue Hoffnung geben, die Klasse trotz der
„Senioren-Bande“ und ihrer an den Tag gelegten Entscheidungs-Willkür
zu halten. Voller Enthusiasmus setzte man sich deshalb gegen halb zwei bei
bestem Aprilwetter mit dem gemieteten Kleinbus in Bewegung. Nachdem
Christopher in Dermbach zur Besatzung dazugestoßen war, konnte die
Reise ins Badenland endlich beginnen. Mit „Hasseröder - has’se Spaß“ wurde sich langsam aber sicher auf Level gebiert
- auch wenn
der ein oder andere noch mit einem Männertagskater kämpfte und sich
noch vor Fulda seines überschüssigen Ballasts in einem Gebüsch entledigen sollte. Nach zahlreichen philosophischen und physiologischen Ergüssen
erreichte man gegen 18 Uhr den Wildpark. Nach einem standesgemäßen
Regenschauer kurz vor Anpfiff (Schade Sandro, dass dein heiß geliebtes Regenspiel
ausgeblieben ist - hätte irgendwie gepasst) und ein paar Höpfner am
Getränkestand gesellte man sich zu den rund 1000 Erfurtern in die Südkurve.
Mehr als ein halbes Dutzend Busse aus Erfurt hatten heute den Weg nach
Karlsruhe gefunden - und auch stimmungsmäßig zeigten sich die
Rot-Weiß-Fans heute von ihrer besten Seite. Ganz anders schaute es wieder mal bei unserer Mannschaft aus.
Gute fünf Minuten dauerte es diesmal, bis Erfurt mit 0:1 in Rückstand
geriet. Nach einem chaotischen Durcheinander im Strafraum schaffte es Bürger
nicht, die Kugel wegzuhauen, so dass Stoll mit einem strammen
Flachschuss problemlos einlochen konnte. Auch Twardzik, dem bei dieser
Aktion der Ball durch die Beine rollte, sah nicht besonders gut aus. Noch war jedoch nichts verloren. Die Rot-Weißen machten jetzt mehr
Druck, spielten nach vorn, doch immer wieder fehlte es an der Präzision
im Abschluss. Flanken zu ungenau, Pässe ins Leere, Dribblings mitten
rein in die KSC-Abwehr - echte Chancen blieben dabei Mangelware. So waren
es kurz vor der Pause die Karlsruher, die ihren zweiten Treffer auf dem
Fuß hatten. Reif sowie Dundee scheiterten aber an Twardzik, der dafür
sorgte, dass der Rückstand nach der ersten Hälfte nicht noch höher
ausfiel. Dafür war ja immer noch Hälfte zwei da. Keine 60 Sekunden nach Wiederanpfiff klingelte es schon wieder im Erfurter Kasten. Eine
Flanke von Carnell köpfte Kapllani unbedrängt von Traub ins Erfurter
Tor und versetzte den Rot-Weißen damit den vorzeitigen Todesstoß.
Danach ging so gut wie gar nichts mehr. Die Elf von Kocian
präsentierte sich lustlos, kraftlos und machtlos, gegen die ebenfalls
nicht überragend aufspielenden Karlsruher wenigstens einen Treffer
nachzulegen. Die letzten 20 Minuten warf Kocian zwar noch mal alles nach
vorne, doch es nützte am Ende nichts mehr. Mit der Niederlage war der Abstieg ohnehin so gut wie
besiegelt. Als dann das 1:2-Endergebnis vom Spiel Köln gegen Trier
angezeigt wurde, war es schließlich traurige Gewissheit - der RWE ist
nach einem Jahr zweite Liga sportlich abgestiegen. Die Rot-Weiß-Fans
nahmen es mit Fassung. Von Trauer, Wut oder Enttäuschung war im
Fanblick kaum eine Spur. Vielmehr feierten die Anhänger ihre Mannschaft
von der 70. Minute an bis eine viertel Stunde nach Abpfiff wie Sieger und
bereiteten dem RWE damit einen würdigen (vorzeitigen) Abschied aus Liga
zwei. Wohin die Wege nun führen werden, ist offen. Die
Regionalliga-Lizenz hängt in der Luft, gut eine Million Euro an
Werbeeinnahmen fehlen, Schulden in Millionenhöhe drücken
den Verein - und das nicht erst seit gestern. Die RWE-Führungsspitze muss
jetzt einen Weg finden, die Finanzkrise zu bewältigen - sei es
mithilfe einer Landesbürgschaft oder durch finanzkräftige Sponsoren - damit der
Verein möglichst vor dem Fall in die Oberliga bewahrt wird. Fest steht jedoch auch: Eine kurzfristige Lösung bringt vielleicht die nötige Liquidität für die Lizenzerteilung, verringert aber wohl nicht den riesigen Schuldenberg. Um eine durch Misswirtschaft verursachte Insolvenz in zwei, drei Jahren zu verhindern, sollten deshalb jetzt die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Damit sich nicht auch in Erfurt bald regelmäßig 2000 Leute Spiele in der Stadtliga anschauen müssen. Robert
Bilder von der Fanclub-Busfahrt >>
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