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Samstag, 22. April 2006, 14.00 Uhr

Regionalliga Nord, 33. Spieltag

Chemnitzer FC

0:1

(0:1)

FC Rot-Weiß Erfurt

-

 

12'

 0:1 Hebestreit 

Stadion an der Gellertstraße, Chemnitz

Kapazität

:

15 000

Zuschauer

:

3 276

Gästefans

:

2 000

>> Panorama-Foto <<

 

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Auswärtssieg beim Heimspiel in Chemnitz

Der Bann ist gebrochen. Fast genau ein Jahr nach dem letzten RWE-Auswärtssieg in Burghausen (2:0 am 24. April 2005, damals noch in Liga zwei) erkämpfte sich der RWE im Ostderby beim Chemnitzer FC einen verdienten 1:0-Sieg und fuhr damit immens wichtige Punkte im Abstiegskampf ein. 

Dass das Spiel in Chemnitz vorentscheidend sein würde, war allen Beteiligten und RWE-Fans klar. Kein Wunder also, dass sich rund 2.000 rot-weiße Schlachtenbummler auf den Weg in die Karl-Marx-Stadt machten, um ihren Verein zum Sieg zu brüllen. Die Werrataler Jungs machten da keine Ausnahme. Mit einem (zum ersten mal) vollbesetzten Reisebus ging es für den Fanclub und zahlreiche Fans aus Meiningen und Erfurt zum Schicksalsspiel nach Sachsen.

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Während es draußen vom Himmel goss, floss drinnen im Bus der Gerstensaft wie gewohnt prächtig. "Rhönsegler" Falk am Steuer hatte trotz 16 Kästen Bier im Bauch (seines Gefährts) alles unter Kontrolle, jedenfalls bis man gegen halb eins in Chemnitz ankam. Erst mal ging es mit dem Bus quer durch die Innenstadt. Und nachdem Falk sich an einem Supermarkt bei den Jungs in grün nach dem Weg erkundigt hatte, waren diese auch gleich so freundlich, uns mit Blaulicht und gleich fünf Einsatzfahrzeugen zum Stadion zu eskortieren. Steuergelder wieder mal sinnvoll eingesetzt...

Mit grüner Eskorte durchs Grüngebiet

Nach einer Odyssee durchs nahegelegene Waldgebiete kam der Bus dann auch endlich am Stadion an, wo man gleich von zwei fröhlich filmenden Beamten ins Visier genommen wurde, die den Blasenentleerungsvorgang der Busbesatzung detailgenau auf ihrem Videobändern verewigten. Von dieser Verletzung des Rechts am eigenen Bild ließ man sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen und bewegte sich allmählich ins Stadioninnere.

Im Gästeblock angekommen, wurde das Transparent zunächst am oberen Zaun angebracht, auf Wunsch von Christopher aber an ein zwei Meter hohes Geländer umgehangen, damit sie im Fernsehen auch schön zu sehen ist. Und siehe da: Im MDR-Bericht war das teure Stück wirklich mehrere Male ganz gut im Bild. Dafür hat sich die halsbrecherische Hühnerleiter-Kletteraktion doch allemal gelohnt!

Als dann unsere Mannschaft zum Warmmachen auf den Platz kam, merkte man endlich mal, dass sie den Ernst der Lage begriffen hat. Der erste Weg führte die Spieler zum Gästeblock, wo sie den knapp 2.000 RWE-Fans, die ihnen heute den Rücken stärkten, zur Unterstützung zuklatschten und sie anfeuerten. Bis das Spiel endlich losgehen konnte stieg so natürlich die Anspannung ebenso wie die Hoffnung auf einen Sieg stetig an. Eins war klar: Heute musste endlich mal was passieren!

Höhen und Tiefen

Kurz nachdem um 14 Uhr der Anpfiff erfolgt war und die CFC-Fans mit einer Choreo ihre Treue artikuliert hatten ("Auch in Liga 4 hinter euch"), passierte auch schon was - der Ball lag im Erfurter Netz. Nur fünf Minuten waren gespielt, da hatten die Chemnitzer den Ball aus dem Gewusel heraus ins Netz gedonnert. Glück für Erfurt: Schiedsrichter Metzen pfiff die Szene ab und entschied auf Freistoß für den RWE.

Es dauerte gerade mal sieben Minuten, bis die Erfurter auf diese Schrecksekunde prompt die richtige Antwort gaben. Fußballgott Ronny Hebestreit zog nach einer Hereingabe von Brunnemann ab und knallte den Ball zum 1:0 unter die Latte. Wahnsinns-Jubel bei den RWE-Fans, die die Partie vor gut 4.000 Zuschauern (offiziell nur 3.276) von nun an endgültig zu einem Heimspiel werden ließen.

Der Mannschaft von Pavel Dotchev gelang aber nicht mehr viel bis zum Halbzeitpfiff. Von nun an bestimmten die Chemnitzer das Spiel und hatten zahlreiche Möglichkeiten, den Ausgleich zu schaffen. Baumann vergab frei vor Orlishausen mehrere dicke Chancen und traf nur den Erfurter Schlussmann anstatt das Tor. Vor allem von den Flanken und Görkes Einwurf-Hereingaben von rechts entstand immer wieder Gefahr vorm Erfurter Tor - doch die knappe Führung hielt bis zur Pause.

Nachdem die Seiten gewechselt waren, wechselte auch das Bild. Die Hereinnahme von Pavel David brachte neuen Schwung in das rot-weiße Offensivspiel und sorgte ab der 60. Minute für Chancen fast im Minutentakt. Der Tscheche selbst vergab allein drei mal aus guter Position, Hebestreit fehlte bei einem Alleingang (75.) und einem Kopfball (74.) der nötige Biss und auch Brunnemann (76.) ließ die dickste Chance zum 2:0 aus.

Unterstützung vom Fußballgott

Dass das am Ende in diesem Grottenkick nicht bestraft wurde, war wohl nur dem Fußballgott zu verdanken. Denn Lenks Kopfball in der 82. Minute wäre in anderen Spielen wohl im Erfurter Tor gelandet. Heute ging er jedoch knapp vorbei und sicherte dem RWE somit im 16. Auswärtsspiel der Saison den ersten Sieg bei teilweise miesem Nieselwetter. Doch wie es unser Spezi "Weini" schon vor dem Anpfiff auf dem Punkt brachte: "Schlechtes Wetter - gutes Ergebnis". Recht sollte er behalten.

Bei pünktlich zum Abpfiff einsetzendem Sonnenschein waren die frenetischen RWE-Fans in ihrer Freude nicht mehr zu bremsen und feierten ihre Helden samt Trainer Dotchev im Stadion noch eine viertel Stunde nach Spielende. Das Lied "So ein Tag, so wunderschön wie heute" hat es seltener auf den Punkt gebracht, als an diesem 22. April 2006 an der Chemnitzer Gellertstraße. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Freude über den Sieg am Ende nicht genauso wertlos ist, wie die Freude über den Sieg vor fast genau einem Jahr in Burghausen...

Text/Fotos:  Robert Nößler

 

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