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Samstag, 28. Oktober 2006, 14.00 Uhr

Regionalliga Nord, 13. Spieltag

1. FC Union Berlin

2:4

(1:3)

FC Rot-Weiß Erfurt

-

 

 

 

1:3  Spork

2:3  Wunderlich

15'

29'

33'

34'

61'

87'

 0:1  Bunjaku (FE)

 0:2  Kumbela

 0:3  Brunnemann

 

 

 2:4  Schnetzler

Stadion an der Alten Försterei, Berlin

Kapazität

:

18 100

Zuschauer

:

8 237

Gästefans

:

1 500

>> Panorama-Foto <<

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RWE stürzt Union von der Tabellenspitze

Der Wecker klingelt. Es ist Samstagfrüh, kurz vor 6 Uhr. Ich schleife mich im Halbschlaf aus dem Bett. "Das ist dir dieser Scheiß-Fußball wert?", fragt die Blonde mit dem Hund, die neben mir aufwacht. "Mmhhh, ja schon", antworte ich leicht zögerlich. Keine halbe Stunde später sitze ich in einem blauen Bus von "Lienert Reisen". Im Laderaum: rund 200 Liter Bier. Die Fahrt nach Berlin kann beginnen!

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43 Sportkameraden aus Breitungen, Eisenach, Gotha und Erfurt machen sich mit unserem Fanclub-Bus an diesem goldenen Oktobermorgen auf den Weg in Richtung Bundeshauptstadt, um die rot-weiße Siegesserie von vier Spielen hoffentlich fortzusetzen. So richtig daran glauben kann zu diesem Zeitpunkt noch keiner, dass der RWE heute Spitzenreiter Union die Zähne zeigen wird. Und dass Sportfreund Leo überhaupt noch Zähne hat, ist sowieso ein Wunder. Um dreiviertel 7 öffnet er wie gewohnt die erste Flasche Hasseröder mit seinen Beißerchen. Und es soll nicht die letzte bleiben...

Der Frühschoppen geht am Hermsdorfer Kreuz gerade in die dritte Runde, da steht unser Bus plötzlich im Stau - Vollsperrung der A9 nach einem Unfall. Fahrer Jens ergreift die Initiative, verlässt die Autobahn und steuert uns geradewegs in die Pampa des Saale-Holzland-Kreises. Dank Co-Pilot Peter können wir die Problemzone geschickt umfahren und sind schon bald wieder in Richtung Berlin-Köpenick unterwegs.

Ohne Plan in Berlin

Und dennoch findet der Anpfiff an der Alten Försterei um Punkt 14 Uhr ohne unsere Busbesatzung statt. Die Umstände, die dazu führen, sind, nun ja, "multikausaler" Natur, wie mein ehemalige Geschichtslehrerin Frau S. gesagt hätte. Oder um es anders auszudrücken: Rauch-, Sauf- und Fresspausen, ein weiterer Stau, mangelnde Ausschilderung in Köpenick und zu guter Letzt ein Atlas ohne Stadtkarte von Berlin brechen uns kurz vor dem Ziel das Genick.

Als wir 14.20 Uhr im gut gefüllten Gästeblock ankommen, ist das 1:0 für unsere Jungs gerade gefallen. Bunjaku war zwar außerhalb des Strafraums gefoult worden, doch Schiedsrichter Schößling (der Mann hatte noch was gutzumachen) pfiff trotzdem auf Elfmeter. Der Gefoulte schießt selbst - und verwandelt souverän zur Führung. Die Stimmung unter den 1.500 nun phänomenal - denn auch nach dem 1:0 lässt die Erfurter Mannschaft nicht locker. Munter und spritzig wie selten bietet sie den völlig perplexen Unionern mehr als nur Paroli.

Traumhafte Zustände

Nach vorne klappt heute einfach alles. In der 29. Minute erhöht Kumbela mit einer Einzelaktion auf 2:0. Kurz darauf schlägt ein Sonntagsschuss von Brunnemann aus gut 30 Metern im Torwinkel der Berliner ein. 3:0 - 33. Minute. Während manch einem jetzt die Freudentränen in den Augen stehen, komme ich mir vor wie in einem süßen Traum. Scheinbar bin ich nicht der einzige. Auch unser Keeper Ratajczak ist kurz weggetreten. Im Gegenzug kassiert der RWE nach einem Torwartfehler das 1:3 durch Spork (34. Minute).

Trotz des Zwei-Tore-Vorsprungs zur Pause wird es in Halbzeit zwei noch mal richtig eng. Die Köpenicker kämpfen verbissen, drängen den RWE immer weiter in die Defensive und erkämpfen sich in der 61. Minute durch Wunderlich den 2:3-Anschlusstreffer. Die restliche halbe Stunde ist Hoffen und Bangen bei den 8.237 Zuschauern angesagt. Doch die Unioner bekommen den Ball einfach nicht über die Linie. Stattdessen erlöst RWE-Kapitän Schnetzler die Nägel kauenden Erfurter Fans mit dem 4:2 nach einem mustergültigen Konter (87. Minute). Der Auswärtssieg ist perfekt!

Aufstiegsambitionen

Nach einer ausgiebigen Siegesparty im Gästeblock, zahlreichen La-Ola-Wellen und einem abschließenden "Ufta" mit den Spielern begeben sich die RWE-Fans so langsam auf den Heimweg. Mit Polizeieskorte und Jubelhymnen geht es auf die Autobahn in Richtung Heimat. Während vor einem Monat noch das Abstiegsgespenst durch den Steigerwald geisterte, sind auf einmal die Aufstiegsplätze im Visier. Das veranlasst Sandro dazu, die Busbesatzung schon mal vorsorglich zur Aufstiegs- und Geburtstagsfeier am 2. Juni zu sich nach hause einzuladen. "Meiner Mutter bring ich das schon irgendwie bei", verspricht der Fast-30er.

Einen Fast-Food-Stopp später, kurz vor Jena, liegt dann die erste Brechpfütze im Bus. Was soll's? Wann gewinnt man schon mal mit 4:2 beim Spitzenreiter? Das denkt sich auch Herr Leopold, verdrückt erst einen Schoko-Muffin, dann noch fünf Bier und fällt daraufhin in einen Koma-artigen Tiefschlaf. Kurz vor Breitungen wirft es ihn dann in der Grumbach-S-Kurve mit voller Wucht aus dem Sitz, so dass er längelang im Mittelgang landet. Völlig besinnungslos. "Und dafür hat es sich gelohnt, kurz vor 6 Uhr aufzustehen?" - Ohne Frage...

Text/Fotos:  Robert Nößler

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